Zwei Fragen an den Wiesbadener Schriftsteller Alexander Pfeiffer zur Kraft der Kultur.

KULTUR.GUIDE: In einer Zeit, die von gesellschaftlicher Polarisierung und Individualisierung geprägt ist, wird oft die gemeinschaftsbildende Kraft der Kultur beschworen. Wo sehen Sie konkret die Potenziale von kulturellen Projekten und Institutionen, um den sozialen Zusammenhalt in einer Stadt wie Wiesbaden zu stärken? Und welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Kultur diese Rolle auch tatsächlich ausfüllen kann?

Alexander Pfeiffer: Ich selbst bin ja ein großer Fan und regelmäßiger Besucher von allem, was Menschen zusammenbringt: Kino, Theater, Lesung, Konzert oder was auch immer. Also Gemeinschaftserlebnis statt einsamem Konsum vor dem Handy. Zu diesem Erlebnis gehört ganz essentiell, dass man unmittelbar über das Erlebte sprechen kann – mit anderen, die dasselbe erlebt und vielleicht etwas ganz anderes mitgenommen haben. Ich glaube, dieser Abgleich gehört zum Mensch sein dazu.

Ich sehe und erlebe das ständig, da wo ich selbst bin. Ich höre aber durchaus auch von anderen Menschen, dass sie das nicht so selbstverständlich erleben, dass ihnen an irgendeiner Stelle der Zugang fehlt. Das kann an den aufgerufenen Preisen liegen oder auch an der Sichtbarkeit der Angebote. Und gerade bei Letzterem ist natürlich der Kultur.Guide eins von vielen wichtigen Mitteln, um eben Sichtbarkeit herzustellen. Damit das alles am Ende funktioniert, brauchen wir aber natürlich einen auskömmlichen Betrieb unserer Kulturveranstaltungsorte sowie eine faire Entlohnung derjenigen, die diese Orte bespielen, sie mit Inhalt füllen, dort etwas auf die Bühne bringen, also der Künstlerinnen und Künstler. Nun gehören ja Kultur und Soziales zu den sogenannten „freiwilligen Leistungen“ unserer Kommunen. Ganz viel Arbeit in diesen Bereichen wird jetzt schon im Ehrenamt erledigt. Ich bin aber überzeugt davon, dass diese Arbeit genauso wertvoll ist wie jede andere und wir deshalb auch hier Profis brauchen, die wie Profis bezahlt werden.

Alexander Pfeiffer ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS), des Vereins für deutschsprachige Kriminalliteratur Das Syndikat, des PEN Deutschland sowie der Wiesbadener Autorenvereinigung Dostojewskis Erben e.V. Von 2007 bis 2014 war er hessischer Landesvorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS), von 2009 bis 2012 Jurysekretär für den Friedrich-Glauser-Preis, Krimipreis der Autoren, in der Sparte Debüt. Seit 2018 gehört er zum Kulturbeirat der Landeshauptstadt Wiesbaden. (Wikipedia)

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