Ah! Oh! Uh! – Moderne!

Was passiert, wenn Kunstgeschichte, Erbeninteressen und politische Vergangenheitsbewältigung aufeinandertreffen? Es gibt Ärger. Genau das passierte im Frühjahr 2024 in der Wiesbadener Galerie Kleinschmidt Fine Photographs, als eine geplante Ausstellung früher moderner Fotografie nach nur einem Tag Laufzeit abgesagt werden musste. Nun, im Sommer 2026, feiert die Schau unter dem erweiterten Titel „Ah! Oh! Uh! Moderne!“ ihr rechtmäßiges Comeback – und liefert auf engstem Raum ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte.

Die Ausstellung auf einen Blick
Öffnungszeiten: Mi, Do, Fr von 14:00 bis 18:00 Uhr
(Einlass nur nach vorheriger Vereinbarung/Anmeldung)

Was: Gruppenausstellung (28 Vintage Photographs) der Frühen Moderne

Künstler: Heinrich Koch, Fritz Kühn, Emil Leitner, Albert Renger-Patzsch und Paul Wolff

Wo: Kleinschmidt Fine Photographs,
Steubenstraße 17, 65189 Wiesbaden (Schauraum I + II)

Wann: Finale Phase – läuft nur noch bis 10. Juli 2026

Die Kunst: Entfesselte Kameras und Neue Sachlichkeit

Die Ausstellung präsentiert 26 Original-Lichtbildwerke aus der Frühzeit des Industriezeitalters – einer Epoche geprägt von Bauhaus, Neuem Sehen und Neuer Sachlichkeit. Die Arbeiten dokumentieren den rasenden Umbruch der Zeit, den Temporausch von Automobilen und Zeppelinen sowie die aufkommende Massengesellschaft.

Highlights der Schau

  • Paul Wolff: Der Pionier der Leica-Kleinbildkamera befreite die Fotografie vom Stativ. Sein Werk Zwei Eier und ein Sieb (1933) besticht durch eine surreal-hyperreale Dichte und zeigt die Welt im Kleinen. Auch das titelgebende Bild Im Schatten des Umpires (1929) zeugt von seiner revolutionären Technik.
  • Emil Leitner: Seine drei Lampenstudien (1930), gefertigt für den Palast des Maharadschas von Indore, nehmen mit ihren Neonröhren als körperlose Raumkörper die Ästhetik kommender Epochen vorweg.
  • Fritz Kühn: Seine Fotografien von eisernen Torgittern – etwa für die Reichsluftwaffen-Bauverwaltung (1937) – zeugen von handwerklicher Meisterschaft, die nahtlos in den Dienst politischer Repräsentation gestellt wurde.
  • Albert Renger-Patzsch: Der „Fotograf der Dinge“, berühmt für seinen Bildband Lob des Rheingaus, zeigt meisterhaft das Wesen der Sachlichkeit.

Warum der ungewöhnliche Name „Ah! Oh! Uh! Moderne!“? Er fasst die Ambivalenz der gezeigten Kunst perfekt zusammen:

Uh! – Ist der Ausdruck des Unbehagens. Ein Verweis auf die Abgründe, die Verstrickungen der Künstler in den Totalitarismus des NS-Staates und die Propaganda, von der sich viele blenden ließen.

Ah! – Steht für das epochale Staunen über die radikale Formensprache von Bauhaus und Neuer Sachlichkeit.

Oh! – Spiegelt das Wunderbare im Profanen wider, das Staunen über Natur und die neue Technik, wie es Paul Wolffs entfesselte Kamera festhielt.

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